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Neue Ideen, um Abfall beim Einkaufen zu vermeiden
Verpackungen und Kassabons sind nicht notwendig – Neben politischen Maßnahmen sind private Initiativen gefragt

Wien – Kaufen, auspacken, wegwerfen: ein Ritual des Alltags. Knapp 60 Millionen Tonnen betrug laut dem derzeit in Begutachtung stehenden Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2017 das Müllaufkommen in Österreich im Jahr 2015. Knapp 600 Kilogramm Abfall produziert jeder Österreicher laut Eurostat pro Jahr. 2015 betrug die Menge, die in Recyclingcontainern landete, 115 Kilogramm pro Kopf, wie die Altstoff Recycling Austria AG informierte. Auch Verpackungen fallen bei dieser Rechnung ins Gewicht.

Das bisherige Konzept der Regierungen sieht meist vor, den entstandenen Müll, so gut es geht, stofflich wiederzuverwerten. Die erneute Nutzung von Rohstoffen ist ökonomisch und ökologisch klug. Die Zero-Waste-Bewegung geht einen Schritt weiter und versucht eine Abfallvermeidung.

„Wir müssen es Bürgern endlich leichter machen, beim Einkaufen auf Verpackungen zu verzichten“, sagt Christiane Brunner, Umweltsprecherin der Grünen. In einem Selbstversuch hat sie 40 Tage auf Plastik verzichtet. Das sei vor allem beim Einkauf eine Herausforderung gewesen. Es gebe zwar bereits einige verpackungsfreie Geschäfte, so Brunner, aber an stressigen Tagen sei es schlicht nicht möglich, genügend Zeit für ein nachhaltiges Einkaufen einzuteilen. „In einem herkömmlichen Supermarkt ist es so gut wie unmöglich, verpackungsfrei einzukaufen“, sagt die Grüne.

Daher stellte sie im Rahmen der Begutachtung des Bundes-Abfallwirtschaftsplans, der alle sechs Jahre vom Ministerium erstellt wird, einen Antrag zur Vermeidung von Verpackungsabfällen. „Dieser wurde im letzten Umweltausschuss leider vertagt“, sagt Brunner.

Günstiger Umweltschutz

„Endlich muss man mal nicht draufzahlen, um etwas Positives für die Umwelt zu tun“, beschreibt Olga Witt den Zero-Waste-Lifestyle. Die Autorin hat mit Ein Leben ohne Müll eine umfassende Anleitung zur Müllvermeidung vorgelegt. Sie nennt ein Beispiel: Verpackungen dienen dem Einzelhandel auch als „kreative Strategie“, um Konsumenten mehr bezahlen zu lassen. Denn je größer eine Packungseinheit, desto geringer der Kilopreis. Umgekehrt gilt der Verpackungsgrößenaufschlag, sagt Witt: „Je kleiner der verpackte Inhalt eines Gutes, desto teurer wird der Kilopreis.“

Neben dem Verpackungsmüll fallen auch Einkaufszettel an. Seit 1. Jänner 2016 gilt die Registrierkassenpflicht, seither werden mehr Kassabons verteilt. Neun von zehn Thermopapierrechnungen enthalten laut dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) immer noch Bisphenol A (BPA), das beim Drucken als Entwicklersubstanz dient. Der Stoff kann hormonähnlich wirken. Nur große Supermarktketten verzichten bereits weitgehend darauf.

Das meiste BPA wird über Lebensmittel aufgenommen, vor allem durch Kunststoffe wie Trinkflaschen, Vorratsdosen und Verpackungen.

Die zweitgrößte Quelle für den Kontakt stellt schon das Thermopapier dar, schätzt die European Food Safety Authority (EFSA). Laut EU-Gesetz darf erst ab Jänner 2020 Thermopapier, das BPA enthält, nicht mehr verwendet werden.

Doch es geht schon jetzt anders. Denn es stimmt nicht, dass die Bons ausgedruckt werden müssen. „Um Belege zu übermitteln, kann jeder elektronische Kommunikationskanal wie E-Mail, SMS, Facebook oder Whatsapp genutzt werden“, sagt Simon Tragatschnig, Geschäftsführer der Codewerkstatt und Entwickler der Registrierkasse obono. Das habe auch das Bundesministerium für Finanzen (BMF) bestätigt. Mehrere Tonnen des bisphenolhaltigen Thermopapiers können so pro Jahr eingespart werden.

Auch vom Umweltministerium gibt es Initiativen, etwa um Plastiksackerln weiter zu reduzieren. Für die Kampagne „Pfiat di Sackerl“ gab es jedoch auch Kritik von Umweltschutzorganisationen. Denn die Kampagne wurde mit 150.000 Gratispostkarten beworben. Plastiksticker konnten davon abgelöst werden, um daran zu erinnern, für den nächsten Einkauf ein Mehrwegsackerl mitzunehmen. Dass mit „Plastikpickerln gegen Plastiksackerln geworben wird, ist unnötig und skurril“, so Herwig Schuster von Greenpeace Österreich. (july)